Eva Biedert Roulet


«Die Hände sind meine Sprache, sie drücken mein Empfinden aus.» Dieses Fazit zieht Eva Biedert Roulet über den Entstehungsprozess ihrer Bilder. In den 90er Jahre begann die Künstlerin – nach einer Familienpause, in der sie nicht mehr zum Pinsel gegriffen hatte – ihre wunderbaren Farbgedanken und schrägen Fantasien auf die Leinwand zu bringen. Unter den zahlreichen Werken, die in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden sind, verstecken sich oft ältere Bilder. Was dem kritischen Auge und dem künstlerischen Wandel der Malerin nicht mehr zu genügen vermag, wird mit Mut und ohne Bedauern übermalt.


«Ich spreche mit den Händen»


Die Arbeitstechnik von Eva Biedert Roulet ist von Kraft, Bewegung und Schnelligkeit geprägt. Nebst Acrylfarben verwendet die Künstlerin heute Kugelschreiber, Bleistift und Farbstift. «Ich male mehrere Schichten; sie geben den Bildern die Struktur, die Richtung. Ganz zentral ist mir dabei auch eine möglichst grosse Reduktion.» Eva Biedert Roulet erzählt vom separaten «Malspeicher» in ihrem Kopf, in dem sie Eindrücke aus ihrem Alltag und ihrer Umgebung, aus der Natur oder nächtlichen Dämmerphantasien speichert. «Die gespeicherten Bilder geben mir den ersten Impuls, um mit einem Bild zu beginnen. Während des Malens sind es aber meine Hände, die den Weg suchen und bestimmen. Meine Hände sind meine Sprache und sie schaffen –unabhängig vom Kopf – ein eigenes Bild.»

Die Farbe und die Linie stehen im Zentrum


Die Werke von Eva Biedert Roulet bestechen durch ihre Farbwahl, Farbkombination und Linienführung. «Die Farbe – und die Form – sind mir sehr wichtig. Ich habe eine enge Bindung zu den Farben und setze mich intensiv mit ihnen auseinander. Schon als Kind», so die Künstlerin, «habe ich sehr viel gemalt. Ich erinnere mich an eine grosse Schachtel mit Farbstiften, die ich unermüdlich nach dem Farbkreis geordnet habe und mit denen ich meine ersten farbigen Muster malte. Erst in der Kunstgewerbeschule Basel habe ich mit dem figürlichen Zeichnen angefangen. In den Bildern, die um 1998 entstanden sind, finden sich auch noch Figuren, also zeichnerische Elemente. Aber heute interessieren mich Figuren mit ihren klaren und viel zu definitiven Aussagen nicht mehr. Ich finde es spannender, nur noch mit der Farbe und der spontanen Linie Stimmungen anzutönen und so die Fantasie der Betrachterinnen und Betrachter anzuregen. Die Figuren sind aufgelöst, aber auf eine neue Art und Weise erkennbar.»


Jede Farbe hat ein eigenes Leben


Die Auseinandersetzungen mit der Farbe sind für Eva Biedert Roulet sehr wichtig. «Für mich hat jede Farbe ein eigenes Leben. Aktuell enthalten meine Bilder viel Weiss, auch Grün, Blau und Gelb gehören zum Farbspektrum. In meinen früheren Werken bildeten die Farben oft grelle, fast schmerzhafte Gegensätze. Das ist heute nicht mehr so. Auch Pastellfarben haben inzwischen einen eigenen Stellenwert erhalten, die feinen und dezenten Töne.»

Christine Valentin